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Die Affäre Seznec

Die Affäre Seznec (L'affaire Seznec) ist uns in Traou Nez, einer Station der Fahrt mit dem Dampfzug "La Vapeur du Trieux" begegnet.

Zunächst einmal worum es sich überhaupt dreht: Es handelt sich um eines der bekanntesten Justizdramen Frankreichs.

Guillaume Seznec, ein Sägewerksbesitzer aus Morlaix, versuchte in den 1920er Jahren zusammen mit seinem Freund, dem Senator Pierre Quéméneur, amerikanische Autos in die Sowjetunion zu verkaufen.

Im Mai 1923 wollten sie zusammen einen alten Cadillac zu einem Zwischenhändler nach Paris überführen. Aufgrund diverser Pannen kamen sie dort aber nicht an. Quéméneur nahm kurz vor Paris einen Zug und wurde seither nicht mehr gesehen.

Seznec kehrte in mehreren Tagen nach Morlaix zurück, wo er das Auto reparieren lassen wollte.

Er wurde jedoch schnell zum Hauptverdächtigen für die Ermordung Quéméneurs. Obwohl dessen Leiche nie gefunden wurde und Sezenc stets seine Unschuld beteuerte, wurde er in einem Indizienprozess zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, die er unter anderem in einem Lager auf Französisch Guyana ableistete.

1947 wurde er begnadigt und kehrte im Jahr darauf nach Paris zurück. Zeit seines Lebens strengte er die Wiederaufnahme des Prozesses an - vergebens.

1953 wurde er von einem Lieferwagen angefahren, der Fahrer beging Fahrerflucht. Er erlag am 13. Februar 1954 seinen Verletzungen.

So weit so gut. Bis hierhin findet man die Geschichte in verschiedenen Quellen, z.B. dem französischen Wikipedia (s. unten) oder kennt sie vielleicht aus dem Film "L'Affaire Seznec" von 1993 in der Regie von Yves Boisset.

Was uns aber natürlich besonders interessierte: Was hat dieser abgelegene Ort Traou Nez mit der Affäre zu tun?

Wir mussten etwas recherchieren, ehe wir dahinter kamen.

Der Grundbesitz Traou Nez gehört zu einem Szenario, das Seznec hätte entlasten können.

Dieses Grundstück gehörte Quéméneur. Der hielt sich aber nur selten hier auf. Deswegen gab es einen Verwalter.

Unterhalb des Hauses wartete eines nachts ein Boot ("La Marie-Ernestine") auf die Flut. Die Seeleute berichteten später, sie hätten sich gewundert, Leute auf Traou Nez zu sehen. Man vermutet, es handelte sich hier um die Hochzeitsfeier der Tochter des Verwalters.

Gegen ein Uhr nachts sollen mehrere Schüsse gefallen sein. Sie hörten Stimmen einer Frau und mehrerer Männer.

Ist Pierre Quéméneur vielleicht in diesem Moment hier erschossen worden? Seznec war zu diesem Zeitpunkt unterwegs zurück nach Morlaix, konnte also nicht in Traou Nez und somit auch nicht der Mörder sein.

Die Männer auf dem Boot gaben Ihre Beobachtungen zunächst nicht weiter. Erst viel später berichteten Sie dem untersuchenden Richter Hervé davon.

Trotzdem wird diese Spur im Prozess nicht weiter verfolgt.

Nachdem er 1930 sein Richteramt verlassen hat, verfolgt Hervé die Spur auf eigene Faust. Dabei entdeckt er einige interessante Dinge:

  • Mehrere Schüsse trafen in eine Tür zum Anwesen.
  • Ein 9-jähriges Kind, das bei der Hochzeit war, hat einen Mann in Richtung Fluss laufen sehen, kurz bevor die Schüsse fielen.
  • Am Bahnhof Guingamp wurde am Tag zuvor ein Mann gesehen, der von dort nach Traou Nez fuhr. Dies könnte Pierre Quéméneur gewesen sein.
  • Der Besitzer von Traou Nez berichtete, das jedes Jahr zu Allerheiligen eine schwarz gekleidete Frau ein Blumengebinde am Haus ablegte. Er erkannte sie als eine Schwester von Pierre Quéméneur.

Wie man sieht: Wie in jedem gleich gelagerten Fall gibt es eine Fülle von Ungereimtheiten. Wir wissen natürlich nicht, was an all dem stimmt. Unser Beitrag stützt sich auf die unten angeführten Quellen.

Aber es beweist sich einmal mehr: Es gibt doch immer wieder Geschichten, die am Wegesrand einer Reise liegen. Man muss sie nur finden ;-).

Quellen zur Affäre Seznec

  • Stand des Berichtes: August 2008
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