zusammenaufreisen.de v2.1

Teilen |

Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark

  • Islandfischer

Islandfischer in Paimpol

Wer sich in Paimpol und Umgebung umsieht, wird bald auf ihre Spuren stoßen: Die Islandfischer. Doch was verbirgt sich hinter dieser Geschichte?

Zwischen 1852 und 1935 sind insgesamt mehr als 2600 Schiffe, vor allem Segelschiffe, von Paimpol nach Island zum Dorschfang gefahren. In manchen Jahren waren es ihrer 80.

Bereits 1886 erzählte der Schriftsteller Julien Viaud, alias Pierre Loti in seinem Roman "Die Islandfischer" von ihrem entbehrungsreichen Leben.

Die Schiffe liefen im Februar in Richtung Island aus und kehrten erst 6 Monate später zurück. Die Saison bestand aus 2 Kampagnen, die durch wenige Tage im Mai voneinander getrennt waren.

Die Bedingungen an Bord waren sehr schwer. Die Fischer litten an Mangelernährung, Krankheiten, Verletzungen, die unzureichend behandelt wurden und einfach an den schlechten hygienischen Bedingungen.

Hinzu kamen die Gefahren auf See, das schlechte Wetter, der Leichtsinn mancher Kapitäne – gerät ein Schiff in Seenot ist Hilfe nicht möglich. Meist überlebt niemand. Vor diesem Hintergrund ist die hohe Zahl von Opfern (über 2000 im Laufe der Jahre) zu verstehen.

Der Fisch wird mit Leinen gefangen, nicht mit Netzen. Als Köder dient zuerst Speck, später Fischteile. Es ist eine schwere Arbeit, die Fische mit einem Gewicht von 15 bis 30 Kg an Bord zu hieven. Ein Arbeitstag dauert nicht unter 15 Stunden, an besonders erfolgreichen Tagen geht es auch mal rund um die Uhr.

Nur in den erwähnten Ruhetagen zwischen den Kampagnen besteht Gelegenheit, die Kleider zu waschen, es kommen Boote mit Post von daheim, die auch den bislang gefangenen Fisch mitnehmen.

Doch nicht nur die Fischer selbst, auch ihre Angehörigen hatten eine schwere Zeit. Die quälende Ungewissheit bedingt durch nur gelegentliche Nachrichten stellten die Geduld der Familien auf eine harte Probe. Und oft genug wartete man vergeblich.

Etwas nördlich von Paimpol gibt es das "Croix de Veuves" (Witwenkreuz) so genannt, weil hier die Frauen weit aufs Meer hinaus Ausschau nach den Schiffen hielten, die die Fischer zurück bringen sollten.

Die Opferzahlen unter den Fischern waren so groß, dass sie selbst auf die Mode durchschlug: Man trug im Grunde dauernd Schwarz, weil immer irgendein Mann, Bruder, Onkel, Sohn, Neffe, Freund zu betrauern war. Auf diese Weise entstand hier die vielleicht einmalige Tradition schwarzer Hochzeitskleider.

Der erste Weltkrieg und die Unfähigkeit der Reeder von Paimpol, sich zusammenzuschließen und etwa mit Dampfbooten der wachsenden Konkurrenz Paroli zu bieten, führten schließlich zum Untergang des Dorschfangs vor Island von Paimpol aus.

Wer mehr wissen möchte: Das Musee de la Mer in Paimpol widmet sich diesem Thema.

Wir finden: Eine interessante Geschichte, die wir euch unbedingt so zusammenfassend erzählen wollten.

Quellen

  • Informationsmaterial des "Musée de la Mer" Paimpol in deutscher Sprache.
  • Ausstellung des "Musée des Costumes", Paimpol.
  • Stand des Berichtes: August 2007
Teilen |

Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark