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Ausschnitt aus dem Totentanz in der Kapelle "Kermaria an Iskuit".

Kapelle "Kermaria An Iskuit"

Diese kleine Kapelle im Ort Kermaria nahe Plouha geht auf das beginnende 13. Jahrhundert zurück. Sie wird Henry d'Avaugour zugeschrieben, einem Adligen, der 1240 von den Kreuzzügen ins Gelobte Land zurückgekehrt war und ob dieses Umstandes der Jungfrau Maria für ihren Beistand danken wollte. So jedenfalls erzählt es die Geschichte, die auch Historiker für möglich halten.

Für den Namen „Kermaria An Iskuit“ gibt es verschiedene Deutungen, über die sich auch die Linguistiker streiten. Am wahrscheinlichsten ist wohl „Maria, die aus der Not hilft“.

Man geht heute davon aus, dass die Kirche eine Pfarrkirche war, das würde ihrer Größe und ihrer Bedeutung gerecht.

Die Kirche wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach umgebaut. Im 15. Jahrhundert erhielt sie einen Anbau, durch den sie wesentlich erweitert wurde, im 18. Jahrhundert kam noch ein Chor hinzu.

Mitte des 19. Jahrhunderts sollte die Kapelle niedergerissen werden, weil der örtliche Pfarrer mit ihren Steinen eine größere, eindrucksvollere bauen wollte. 1859 war die Genehmigung zum Abriss sogar schon erteilt worden. Der Überlieferung zur Folge hinderten aber die Bauern der Umgebung die Arbeiter mit Sensen und anderen "Waffen" daran, ihre Arbeit auszuüben. Auf Anordnung des Bischofs schließlich wurde von dem Plan abgelassen und die Kirche war gerettet.

Mitten in den Wirren dieser Zeit wurde die Kapelle endgültig zu etwas Besonderem: 1856 entdeckte man vor langer Zeit übertünchte Fresken, die einen Totentanz (dance makabre) darstellen. Ihr Kernmotiv: Der Tod führt alle Menschen, gleich welchen Standes, zu seinem makaberen Tanz. Die Botschaft dahinter: Am Ende des Lebens sind alle Menschen gleich. Man findet Darstellungen von Kardinal, König, Patriarch, Feldherr, Erzbischof, Ritter, Bischof, Knappe, Abt, Landvogt, Wahrsager, Bürger, Kartäusermönch, Offizier, Arzt, der Frau, vom Wucherer und Armen. Außerdem sieht man den Verliebten, den Dorfmusikanten, den Ackersmann, den Franziskaner und das Kind.

Zu jedem sind auch Texte erhalten, die aber nicht mehr lesbar sind. Übersetzungen (auch in deutscher Sprache) sind in der Kirche erhältlich.

Die Kapelle hat aus ihrer wechselhaften Geschichte natürlich mehr vorzuweisen als den Totentanz. Da ist die schöne Vorhalle mit den verwitterten Statuen des heiligen Paulus und Petrus. Oder die verschiedenen Marienfiguren: Majestetisch mit Zepter und Jesuskind aus dem 13. Jahrhundert oder Maria, die Jesus die Brust gibt aus dem 16. Jahrhundert. Dieser wendet sich aber dezent ab, denn es gibt etwas wichtigeres als die Muttermilch: Gottes Wort.

Bemerkenswert ist aber auch das große Kruzifix.

Das hölzerne Gewölbe des Kirchenschiffs ist mit allerlei Schnitzerein geschmückt. Uns fallen einige Ungeheuer auf, wie sie im 15. Jahrhundert Mode waren.

Dass es in der Kirche schon ungewöhnlich hell ist liegt vor allem am Chor aus dem 18. Jahrhundert, durch dessen große Fenster viel Licht einfallen kann.

Früher gab es noch eine Empore, die aber verschwunden ist. Man schaut jetzt also von unten direkt bis an die Decke. Das trägt sicher auch zur guten Akustik bei, die in der Kapelle vorzufinden ist. Als wir dort sind, wird gerade für ein Konzert geprobt, das am Abend stattfinden soll. Dvorak, Haydn und Schuhmann stehen auf dem Programm.

Die Kirche ist in den Sommermonaten Juli und August von 09:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, in der übrigen Zeit gibt es eine Mittagspause von 12:00 bis 14:00 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Man erhält für den Rundgang ein Blatt mit Informationen auch in deutscher Sprache.
Für 6,- € kann man ein sehr interessantes Material auf Französisch, Englisch oder Deutsch erwerben, von dem auch viele Informationen in diesem Beitrag stammen.

Unser Fazit: Beeindruckend, sollte in den Tourenplan aufgenommen werden, wenn man in der Gegend ist.

  • Stand des Berichtes: August 2007
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