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Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark

Stevns Klint im Osten der Insel Seeland

Stevns Klint

Stevns Klint an der Ostküste Seelands ist eine Kreideklippe aus derselben Zeit wie die Kreidefelsen auf Rügen.

Das Kliff ist 15 Km lang und bis zu 41 Meter hoch.

Was nicht so schön ist: Ohne "Eintritt" in Form von Parkplatzgebühren kommt man nicht hin, zumindest nicht, wenn man "nur mal so" die Klippen bestaunen will. Die Gebühren werden erhoben von der "Gesellschaft Højeruplund" und benutzt zur Verwaltung der Kirche Højerup und des Geländes ringsum.

Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn neben den immer wieder wechselnden Blicken auf die weißen Klippen gibt es eine Wanderung durch die dänische Geschichte.

Direkt am Parkplatz bei der Højerup Kirche beginnt eine Parkanlage ("Mindelunden" - Gedenkwäldchen), wo an viele Persönlichkeiten der dänischen Geschichte und lokale Ereignisse erinnert wird.

Es sind nicht die ganz großen Namen, die hier genannt sind, aber gerade das macht diese Stätte einzigartig. Wer kennt schon Harald I. Boisen oder Peder Syv?

Darüber hinaus erfährt man auch, dass die Kreide an der Küste bis ins 19. Jahrhundert hinein abgebaut wurde. Viele Gebäude bis in die Hauptstadt Kopenhagen wurden aus den Steinen hier erbaut.

Noch heute kann man die Abbautätigkeit an den regelmäßigen Schnitten im Gestein erkennen. Es gibt hier auch einen Weg hinunter zu den Abbauplätzen.

Wir folgen aber dem Weg auf der Klippe weiter und kommen so zum Aussichtspunkt "Bråten". Genau vor diesem Punkt, so eine Hinweistafel, fand 1677, während des Schonen Krieges, die Schlacht in der Køge Bucht statt. Die Dänen unter Admiral Niels Juel besiegten die überlegene schwedische Flotte.

Wem das alles egal ist, kann einfach nur die immer wechselnden Ausblicke auf das Kliff oder zurück auf Højerup Kirke genießen und sich an einem wunderschönen Flecken Natur erfreuen.

Fazit: Nicht vorbeifahren.

Højerup Kirke

Direkt am Parkplatz, wo der Rundgang beginnt, steht die alte Højerup Kirke. Sie wurde ca. 1250 bis 1300 aus Kreidestein errichtet [3]. Nach anderen Quellen wurde sie 1357 geweiht[4]. Egal, damals stand sie in sicherem Abstand vom Wasser. Ca. 50 Meter, heißt es.

Der Legende nach wurde sie errichtet von einem Schiffer in Seenot. Und sie bewege sich, so heißt es, jeden Weihnachtsabend um einen Hahnenschritt landeinwärts[3].

Dies hat allerdings nicht verhindern können, dass 1928 der Chor und ein Teil des Kirchgartens ins Meer stürzten. Denn seit 1600 hatte das Meer den Kirchhof eingeholt. Angeblich sollen zeitweise Särge und Skelette herausgeragt sein. Makaber[4].

Direkt an der Kirche führt ein Stieg hinunter an den Strand. Für den Weg Richtung Bråten empfiehlt sich aber der Weg oberhalb, schon wegen der wunderbaren Aussicht.

Hintergrund: Harald I. Boisen

Harald I. Boisen (1857 - 1904) war ein Enkel des großen dänischen Dichters und Geistlichen Nikolaj Frederik Severin Grundtvig.

Er wurde 1890 Pfarrer in Højerup und vermochte es, eine große Schar von Zuhörern um sich zu versammeln. Er war der vorletzte Pfarrer in der alten Kirche.

Als seine Frau starb ließ sie ihn mit seinem kleinen Sohn zurück. Er zerbrach innerlich an diesem Verlust. Zwar heiratete er 1903 erneut, aber 1904 im Herbst erkrankte er und starb schließlich am 13. Dezember desselben Jahres.

Boisen wurde nur 47 Jahre alt und Freunde errichteten dieses Denkmal einige Jahre vor der Gründung der Gesellschaft Højeruplunde.

Quelle: Informationstafel am Denkmal.

Hintergrund: Peder Syv

Peder Syv (1631 - 1702) war von 1644 bis zu seinem Tode Pfarrer auf Stevns und außerdem einer der großen Sprachforscher Dänemarks.

Im Jahre 1658 gab er die erste dänische Grammatik heraus. Er sammelte ca. 15.000 dänische Sprichwörter, von denen auch heute noch viele gebräuchlich sind.

Ein paar Beispiele:

  • Morgenlatter er ofte Aftengraad (Morgenlachen ist oft Abendweinen)
  • Faa har Lykke, alle har Døden (Einige haben Glück, alle haben den Tod)
  • Ingen faar nyt Brød, uden han bager (Niemand bekommt neues Brot, ohne dass er bäckt)

Anm.: Die dänische Form entspricht nicht der aktuellen dänischen Rechtschreibung.

Quelle: Informationstafel am Denkmal.

Hintergrund: Schlacht in der Køge Bucht

Die Schlacht vor Køge war eine der großen Schlachten des Schonischen Krieges (auch Nordischer Krieg genannt[6]) von 1676 bis 1679.

In dieser Schlacht zählte die schwedische Flotte 18 Kriegsschiffe, davon 12 Fregatten und die dänische Flotte nur 16 Kriegsschiffe (9 Fregatten).

Ein Blick auf die Waffen und Mannschaften macht den Unterschied deutlicher: Die Schweden hatten 1624 Kanonen und 9200 Mann, die Dänen nur 1422 Kanonen und 6700 Mann.

Aber die Dänen hatten den Admiral Niels Juel. Er schlug am 1. Juli 1677 um 5:30 Uhr los und schaffte es, die Schweden bis zum Abend zu schlagen und auf die offene Ostsee zurückzudrängen. Sie verloren dabei 8 ihrer Kriegsschiffe.

Genutzt hat das freilich nicht viel, denn in Folge des "Frieden von Saint-Germain" musste "Dänemark seine Waffen niederlegen, ohne sein Ziel, die Wiedergewinnung Schonens ... erreicht zu haben"[6].

Über diesen Fakt schweigt sich die Tafel am Aussichtspunkt allerdings aus.

Quelle: Informationstafel am Aussichtspunkt und [6].

  • Stand des Berichtes: August 2010
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