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Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark

Sind Hunde in Dänemark noch gern gesehen?

Das Dänische Hundegesetz (Hundeloven) von 2010

Dieses Thema lässt die Emotionen bei vielen deutschen Dänemarkurlaubern hochkochen. Berechtigt? Wir versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Zunächst: Dänemark ist (und bleibt) eines der hundefreundlichsten europäischen Reiseländer. Es ist ohne größere Vorausstetzungen möglich, seinen Hund auf die Reise mitzunehmen und er ist in Dänemark willkommen. Das haben wir selbst oft erlebt.

Unser Beitrag in der Übersicht:

Und im Anhang:

Worum geht es?

Das Dänische Hundegesetz (Hundeloven)[1] wurde 2010 beschlossen und in Kraft gesetzt. Es schreibt eine ganze Reihe von Dingen vor: Registrierung, Pflichten des Hundhalters, Leinen- und Maulkorbregeln usw.

Es gibt aber besonders Streit über einen Teil, der sich mit Kampfhunden beschäftigt.

Kampfhunde - Die "Blacklist"

Im §1a dieses Gesetzes gibt es eine Liste von 13 Hunderassen, deren Haltung und Zucht in Dänemark verboten sind. Das gilt auch für Kreuzungen der genannten Rassen. Und es legt fest, dass Hunde, die unter Verletzung dieser Regeln gehalten oder eingeführt werden, von der Polizei getötet werden.

Hierfür gibt es eine zeitliche Grenze, die festlegt, dass Menschen, die Hunde der genannten Arten vor dem 17.3.2010 besessen haben, diese weiterhin besitzen dürfen. Man liest oft, dass Hunde, die vor diesem Termin geboren sind, nicht betroffen seien. Im Zweifel ist das Geburtsdatum aber nicht unbedingt ausschlaggebend.

Außerdem legt das Gesetz fest, dass im Zweifel der Besitzer des Hundes beweisen muss, dass der Hund nicht einer der 13 Rassen (oder Kreuzungen davon) entspricht.

Verantwortung des Besitzers für Schäden durch den Hund

Im §6 des Gesetzs werden die Pflichten des Hundehalters deutlich verstärkt und das ungeachtet der Rasse. Wird ein Hund für seine Umwelt gefährlich, gibt es Auflagen und im schlimmsten Fall droht die Einschläferung. (Vgl. §6)

Auflagen können die Umzäunung des Grundstückes, die Einschränkung des Personenkreises, der den Hund ausführen darf und einen Zwang für Leine oder Maulkorb oder beides umfassen.

Fügt ein Hund Menschen oder anderen Hunden erhebliche Schäden zu, kann der Polizeidirektor die Einschläferung veranlassen.

Unsere Einschätzung des Gesetzes

Im Grunde ist die Idee des Gesetzes, Menschen vor Attacken von Hunden zu schützen, sinnvoll. Traurige Anlässe dafür gab es bekanntlich auch in Deutschland in den letzten Jahren immer wieder.

Die Frage, ob ein Tier nur anhand seiner Rasse als gefährlich eingestuft werden muss, wird in vielen Ländern diskutiert. So auch in Deutschland, Östereich und der Schweiz. Von daher verwundert der entsetzte Aufschrei über diesen Punkt im Dänischen Hundegesetz, wie z.B. im Beitrag des WDR.

Ob die Reaktion, einen Hund allein wegen seiner Rasse einschläfern zu müssen, angemessen ist, ist allerdings mehr als eine Diskussion wert.

Bedenklich im dänischen Hundegesetz ist ohne Frage die Umkehr der Beweislast. Der Eigner muss nachweisen, dass sein Hund keiner der gelisteten Rassen enstpricht. Das ist insbesondere bei Mischlingen schwer oder gar unmöglich.

Weiterhin sind einige Begriffe nicht genau genug definiert.

  • Was ist eigentlich eine Kreuzung mit einem Hund der gelisteten Rassen? In der wievielten Generation mit welchen Anteilen zählt das noch?
  • Der Grad des Schadens, den ein Hund anrichten muss, um eingeschläfert zu werden, ist nicht klar definiert.

Im Gesetz ist hier von "skambidt" die Rede, was ungefähr "gebissen mit Schaden" bedeutet. Wann ist ein Biss also ein Biss mit Schaden? In der Praxis wird das wohl mit der Notwendigkeit gleichgesetzt, die Wunde zu nähen.

Wie wird das Gesetz umgesetzt?

Es gibt keine Zahlen über die Anzahl von Einschläferungen oder sonstiger Maßnahmen. Einige Quellen sprechen von mehreren tausend Hunden seit der Einführung des Gesetzes, andere nennen deutlich niedrigere Zahlen.

Durch die Presse ging die Geschichte eines Hundes namens "Thor" der eingeschläfert werden soll. Tierschützer versuchen nachzuweisen, dass er keiner der gelisteten Rassen entspricht um ihn so vor dem Tod zu bewahren.

Ein weiterer oft zitierter Fall ist der eines Schäferhundes, der sich gegen einen anderen Hund zur Wehr setzte und diesen biss. Auch er sollte eingeschläfert werden, wurde aber von einem Polizisten abgeholt, der ihn versteckte und so vor der Einschläferung bewahrte.

Beide Geschichten sind im Beitrag des WDR zu sehen.

Dennoch: Wir haben in Dänemark mit Menschen gesprochen, die dort wohnen und haben den Eindruck mitgenommen, dass oft "nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird".

Fazit für deutsche Urlauber

Was heißt das alles für deutsche Urlauber? Muss man um seinen Hund fürchten, wenn man nach Dänemark einreist?

Wir sagen: Nein. Der Hund ist nach wie vor willkommen. Allerdings muss man die Punkte, die in unserem Beitrag "Haustiere" genannt sind, beachten.

Wichtig: Wenn man einen Hund der gelisteten Rassen besitzt, darf man mit ihm nicht nach Dänemark einreisen. Man würde Gefahr laufen, dass er eingeschläfert wird.

Sollte man einen solchen Hund länger besitzen als seit dem 17. März 2010, darf man ihn mitnehmen, man muss ihn aber an der Leine führen und mit einem Maulkorb versehen. Pitbull Terrier und Tosa Inu dürfen aber auch dann nicht mitgenommen werden. Sie waren schon vorher verboten.

Allerdings: Fälle, bei denen Hunde von Touristen eingeschläfert wurden, sind (uns) nicht bekannt. Auch die Kollegen vom ZDF, konnten in ihrem Beitrag unter der Überschrift "Dänemark gegen deutsche Hunde" keinen Nachweis für diese Behauptung bringen.

Welche Erlebnisse Urlauber mit Hunden in Dänemark wirklich hatten, erfährt man z.B. in einem Artikel auf Fejo.dk [10]. Daneben auch noch eine sehr sachliche Darstellung des Hundegesetzes.

Noch ein Wort zum schon erwähnten ZDF Beitrag: Wer sich, wie dort gezeigt, darüber lustig macht, dass sein Hund Handwerker jagt und Menschen Angst macht, darf sich nicht wundern, dass er aufgefordert wird, die Verantwortung zu übernehmen.

Jeder weiß doch: Der Besitzer ist für seinen Hund und das was er tut verantwortlich. Und muss stets dafür Sorge tragen dass er keinen Schaden anrichtet.

Nicht nur im Ausland, aber besonders dort.

Ausblick

Das Hundegesetz ist in Dänemark seit seinem Inkrafttreten in der Dikussion. Man muss wissen, dass es noch von der Vorgängerregierung auf den Weg gebracht wurde.

Bereits im Januar 2012 wurde in einem Artikel bei Danmarks Radio berichtet, dass unter den Politikern Einigkeit bestünde, dass das Gesetz nicht funktioniere. Es müsse überprüft werden, hieß es.[9]

Am 7. März 2013 hat die dänische Ministerin für Nahrungsmittel, Landwirtschaft und Fischerei Mette Gjerskov angekündigt, dass das Gesetz geändert werden soll [7],[8].

"Es gibt Bedarf für die Überprüfung sowohl des Verbots bestimmter Hunderassn als auch der Vorschriften zum Umgang mit Hunden, die gebissen haben." zitiert Danmarks Radio die Ministerin[8].

"Das Hundegesetz hat viele Menschen verunsichert. Ich möchte gerne die Verunsicherung beenden und dabei sowohl das Wohlergehen der Tiere, der Hundebesitzer und derjenigen Menschen, die Angst vor Hunden haben, berücksichtigen." ergänzt sie.

Mittlerweile wurde das Gesetz evaluiert und es gibt einen Änderungsvorschlag, der am 5. Dezember 2013 in das Folketing, das dänische Paralament, eingebracht wurde.

Auszüge aus dem Hundegesetz

Nachfolgend einige Auszüge aus dem Gesetz, von uns ins Deutsche übersetzt. Diese Angaben sind informativ und wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.
Insbesondere ist damit aber auch keine Wertung verbunden. Wir übersetzen nur den Gesetzestext, so wortgetreu wie möglich.

§1a Der Besitz und die Zucht folgender Hunde sind verboten:

  1. Pitbull terrier
  2. Tosa Inu
  3. Amerikanischer Staffordshire Terrier
  4. Fila Brasileiro
  5. Dogo Argentino
  6. Amerikanische Bulldogge
  7. Boerboel
  8. Kangal
  9. Zentralasiatischer Ovtcharka
  10. Kaukasischer Ovtcharka
  11. Südrussischer Ovtcharka
  12. Tornjak
  13. Sarplaninac

Abs 2: Das Verbot aus Absatz 1 bezieht sich auch auf Kreuzungen der genannten Hunderassen.

Abs. 3: Die gewerbliche Einfuhr von Hunden nach Absatz 1 oder 2 ist verboten.

§1a wurde eingefügt mit dem Änderungsgesetz Nr. 717 vom 25.06.2010 vom 01.07.2010 an. Personen, die am 17.03.2010 Hunde nach §1a Abs.1 Nr. 3-13 oder Kreuzungen daraus besaßen, dürfen diese weiterhin besitzen. Diese Hunde dürfen jedoch nicht den Besitzer wechseln. Auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen usw. sollen die Hunde angeleint und mit einem sicheren, geschlossen Maulkorb versehen sein...

§1b Hunde, die unter Nichtbeachtung der Regeln aus §1a gehalten oder eingeführt werden, werden durch Polizeimaßnahmen getötet.

Abs. 2 Bestehen Zweifel, ob der Hund einer der in §1a genannten Rassen oder einer Kreuzung angehört, kann die Polizei verlangen, dass der Besitzer die Rasse oder den typ des Hundes dokumentiert.

Abs. 3 Falls der Besitzer nicht schnell die notwendigen Dokumente im Zusammenhang mit Abs. 2 vorlegen kann, ergreift die Polizei Maßnahmen mit dem Ziel, den Hund mittelfristig von seinem Besitzer zu entfernen.

Abs. 4 Hat der Besitzer innerhalb der von der Polizei gesetzten Frist keinen ausreichenden Nachweis erbracht, dass der Hund nicht einer der Rassen oder Kreuzungen angehört, die in §1a aufgeführt sind, wird angenommen, dass der Hund unter Verletzung von §1a gehalten wird.

§1b wurde eingefügt mit dem Änderungsgesetz Nr. 717 vom 25.06.2010 vom 01.07.2010 an

...

§6 Der Besitzer hat die Pflicht Vorkehrungen zu treffen, die unter Berücksichtigung der Verhältnisse geeignet sind vorzubeugen, dass der Hund Anderen Schäden zufügt.

Abs. 2: Falls ein Hund Schaden an einem Menschen oder andere wesentliche Schäden angerichtet hat, falls das Verhalten des Hundes oder des Besitzers(!!) einen solchen Charakter hat, dass es geeignet ist, Furcht in deren Umgebung zu verursachen, oder wenn es andererseits Grund gibt zu der Annahme, dass der betroffene Hund für seine Umgebung gefährlich sein kann, kann der Polizeidirektor

  1. Dem Besitzer auferlegen, dass das Grundstück, auf dem der Hund gehalten wird, eingezäunt wird mit einem Zaun von mindestens 1,80m Höhe, der mit einer Schleusentür versehen ist.
  2. Dem Besitzer auferlegen, dass der Hund nur von ihm selbst oder anderen benannten Personen über 18 Jahren und nicht zusammen mit anderen Hunden ausgeführt werden darf.
  3. Dem Besitzer aufzuerlegen, dass der Hund, wenn er nicht eingeschlossen ist, an der Leine geführt wird und festzulegen, dass die Leine nicht länger als 2 Meter sein darf oder der Hund mit einem sicheren, geschlossenen Maulkorb versehen ist oder beides, oder
  4. veranlassen, dass der Hund eingeschläfert wird.

Abs. 3 Der Polizeidirektor kann dem Beitzer Auflagen gemäß Abs. 2 Ziffern 1 bis 3 machen, falls es Gewohnheit des Hundes ist, Menschen oder Tiere auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen usw., zu belästigen, auf sie zuzustürmen oder sie zu verfolgen oder Haustiere auf dem Grundstück oder auf dem Feld zu belästigen.

Abs. 4 Falls eine Auflage nach Abs. 2 Nr. 1-3 oder Abs. 3 verletzt wird, kann der Polizeidirektor veranlassen, dass der Hund eingeschläfert wird.

Abs. 5 Falls ein Hund bei einem Überfall einen Menschen oder einen anderen Hund mit einem Biss stark verletzt hat, soll der Polizeidirektor den Hund einschläfern lassen.

Abs. 6 Der Polizeidirektor trägt die Kosten für das Einschläfern des Hundes gemäß Abs. 2 Nr. 4 oder Abs. 4 oder 5, kann den betrag aber vom Besitzer zurückfordern.

Abs. 7 Wechselt ein Hund den Besitzer, gehen Auflagen nach Abs. 2 Nr. 1-3 oder ein Beschluss zum Einschläfern gem. Abs. 2 Nr. 4 oder Abs. 4 oder 5 unmittelbar auf den neuen Eigentümer über.

  • Stand des Berichtes: September 2013
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