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Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark

Egal ob normales (links) oder Europanummernschild (rechts) - die Registrierungsabgabe schlägt zu.

Registrierungsabgabe (Registreringsafgift)

Dass das dänische Steuersystem vielleicht nicht so kompliziert ist wie das deutsche, dafür aber deutlich teurer, ist sicherlich kein Geheimnis. Das zeigt sich schon beim Blick auf den Mehrwertsteuersatz von 25% und zwar unterschiedslos auf alle Waren, auch Lebensmittel.

Eine der bemerkenswertesten Abgaben in Dänemark aus unserer Sicht ist allerdings die Registrierungsabgabe.

Sie wird für alle privat genutzten Kfz fällig und muss gezahlt werden, bevor das Fahrzeug sein Nummernschild erhält. Ausgenommen sind Fahrzeuge zur gewerblichen Nutzung, die dann ein gelbes Nummernschild erhalten (sonst weiß).

Der dänische Staat hat die Schlupflöcher für diese Regelung übrigens sehr eng gestrickt. Fahrzeuge für die gewerbliche Nutzung unterliegen strengen Restriktionen (z.B. nur eine Sitzreihe). Darüber hinaus darf man, wenn man in Dänemark wohnt, kein ausländisches Auto fahren, auch nicht beispielsweise das Auto eines Feriengastes.[9 §13]

Wir haben weiter unten ein Berechnungsbeispiel für einen Neuwagen, der in Deutschland rund 15.000,- € kosten würde.

Berechnungsbeispiel

Auf der Internetseite des Dänischen Finanzministeriums findet sich ein Berechnungsbeispiel für ein Fahrzeug, das in Dänemark ca. 250,000,- Kronen kostet (ca. 34.000,- €)[2].

Wir wollen dieses hier einmal nachvollziehen. Zur besseren Verständlichkeit sind die wichtigsten Preise auch in € angegeben, umgerechnet im Verhältnis 1 € = 7,40 DKK. Wir beziehen uns auf die Daten für 2013.

Nr.
Position DKK
Nettoverkaufspreis des Fahrzeugs
97.061,-
13.116,-
informativ: Bruttoverkaufspreis in Deutschland (19% MWSt)
15.608,-
MWST darauf in Dänemark (25%)
24265,-
1
Verkaufspreis mit MWSt
121.326,-
 
  Dieser Betrag wird gemindert für eine Reihe von Ausstattungsmerkmalen
Radio
-1.000,-
 
Airbags
-5.120,-
 
ABS
-3.750,-
 
ESP
-2.500,-
 
Maximale Anzahl von NCAP Sternen
-2.000,-
 
2
zu versteuernder Betrag
106.956,-
 
 
  Jetzt folgt die Berechnung der Registrierungsabgabe
3
Satz für den Wert (2) bis einschl. 79.000 Kronen: 105%
82.950,-
 
Wert, der 79.000 Kronen übersteigt
27.956,-
 
4
Dieser Wert wird mit 180% (!!) versteuert
50.321,-
 
 
 
Es gibt noch direkte Abzüge / Aufschläge
Minderverbrauch (im Beispiel 17 Km / Liter = 5,9 Liter / 100 Km)
-4.000,-
 
3 x Gurtalarm (Warnung wenn man nicht angeschnallt ist)
-600,-
 
5
zu zahlende Registrierungsabgabe
128.671,-
17.388,-
       
Preis "auf der Straße" (1) + (5) 249.997,- 33.783,-

Hinzu kommen relativ hohe Kosten für die Schilder (ca. 1.100,- DKK) und natürlich Lieferkosten etc.

Mit anderen Worten: Ein Auto für rund 15.000,- € kostet in Dänemark ungefähr das Doppelte. Oder: Wer seinen Wohnsitz nach Dänemark verlagert und ein Auto im Wert von 15.000 € mitnimmt, zahlt dessen Preis noch einmal (Details hier klicken).

Anm.: Dieser Beitrag ist ein Beispiel und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir übernehmen keine Haftung für eventuelle Fehler in diesem Beitrag und daraus entstehende Kosten. Bitte informiert euch ggf. bei den Behörden in Dänemark.

Registrierungsabgabe bei Einfuhr von Fahrzeugen

Die Registrierungsabgabe betrifft neben den Dänen natürlich auch alle Ausländer, die ihren Wohnsitz nach Dänemark verlegen und ein Auto anmelden möchten. Auch wenn sie es schon vorher besessen haben und z.B. aus Deutschland mitbringen.

Auf der Seite der dänischen Botschaft in Berlin findet sich dazu folgender lapidarer Satz:[1]

EINFUHR VON PKW
Ausländer, die ihren Wohnsitz nach Dänemark verlegen, müssen innerhalb von 14 Tagen den evtl. eingeführten Wagen ummelden und die Registrierungsabgabe bezahlen. Den genauen Betrag erfährt man von den örtlichen Zollbehörden.

Wer hier mit einigen hundert Euro oder sogar (nur) Kronen rechnet, wird vielleicht einen Schreck bekommen und das erste Mal an seinem Entschluss nach Dänemark auszuwandern zweifeln.

Denn: Die im Berechnungsbeispiel genannten Sätze gelten ganz analog auch für die Einfuhr gebrauchter Fahrezuge. Als Grundlage dient allerdings nicht der Neuwert sondern ein sog. "abgabepflichtiger Wert" ("afgiftspligtig værdi"). Den ermittelt die Steuerbehörde (SKAT). Er richtet sich ungefähr danach, wie viel ein Autohändler in Dänemark für den Verkauf des Wagens erzielen würde.[8]

Was, nebenbei gesagt, wahrscheinlich mehr ist als das was man selbst beim Verkauf an den Händler erhalten würde.

Aus diesem ermittelt sich dann die Registrierungsabgabe, ähnlich wie oben dargestellt. Handelt es sich um einen Neuwagen (weniger als 6 Monate alt und weniger als 6.000 Km gelaufen) kommt noch die dänische Mehrwertsteuer (25%) hinzu.

Wichtig: Wer nach Dänemark zieht muss binnen 14 Tagen sein Auto ummelden und die Registrierungsabgabe zahlen. Hohe Geldbußen oder sogar Gefängnisstrafen sind die Folge, wenn man dies unterlässt und erwischt wird. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr hoch, denn das Finanzministerium macht zusammen mit der Polizei regelrecht Jagd auf Steuersünder. [5]

Auf der Seite dk-forum.de sind Angaben zur Einfuhr eines privaten PKW in Dänemark zusammengestellt[8].

Ausblick, aktuelle Entwicklungen

Ende 2011 hat in Dänemark die Regierung gewechselt. Der sog. "Blaue Block" (Venstre und Konservative, gestützt von der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti) wurde durch den "Roten Block" (Sozialdemokraten (S), Socialist Folkeparti´(SF) und Radikale Venstre) ersetzt.

Zu einer Belebung der Diskussion um die Registrierungsabgabe hat das nach unserer Beobachtung nicht geführt.

Dabei mehrten sich schon zuvor die Forderungen nach Abschaffung der Registrierungsabgabe. Sowohl Konservative, Sozialdemokraten als auch Venstre haben signalisiert, über eine Veränderung nachzudenken.

Das wichtigste Argument: Die Registrierungsabgabe wurde eingeführt zu einer Zeit, da Autos Luxusgüter waren. Heute gehören sie zu den Gebrauchsgütern.[4]

Vor dem Regierungswechsel arbeiteten Konservative und Venstre an einem Modell, die Abgabe an der Verunreinigung des Fahrzeuges zu messen, das spätestens 2015 eingeführt werden sollte.[4]

Dafür wurde bereits Anfang 2010 diskutiert, das technisch ambitionierte, neue holländische System zu übernehmen. Dort sollen der zurückgelegte Weg, der Zeitpunkt der Fahrt, der Autotyp, das Alter das Autos und viele andere Faktoren in die Berechnung einbezogen werden.

Allerdings: Ende März 2010 wurde das System in Holland wegen "politischer Bedenken und großen Widerstandes" aufgegeben.[7]

So ist jetzt die Rede von einem "einfacheren System", das zukünftig "einen Teil der turmhohen Registrierungsabgabe" ersetzen soll.[6], [7]

Richtig voran geschritten ist die Sache aber nicht, wie man auch einem Artikel auf ing.dk, einem Medium dänischer Ingenieure, vom Dezember 2012 entnehmen kann [10].

  • Stand des Berichtes: Mai 2013
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